Zurzeit darf ich eine Marketing-Abteilung bei der Etablierung eines Business-Partner-Modells begleiten. Nach etlichen Jahren, in denen das Team operativer Wunscherfüller für das Business war, möchte es den grossen Schritt zum Berater auf Augenhöhe machen.
Es handelt sich um Fachspezialisten für Marketing und Kommunikation und sie wollen in der Arbeit für das Business ihre Fachexpertise zur Entfaltung bringen, kosteneffiziente Lösungen für mehr als einen Kunden entwickeln und die Positionierung der Organisation vorantreiben, statt eine disparate Themenfülle nach aussen tragen zu müssen.
Das verändert Rollen im Team ebenso wie das Zusammenarbeitsmodell mit dem Business. Die Etablierung eines Business-Partner-Modells in der Marketing-Abteilung ist die Konsequenz.
Support-Einheiten als Wunscherfüller für das Business
Ob Marketing, HR oder IT – viele Support-Einheiten kennen das: Sie sind als Spezialisten eingestellt worden, aber finden für ihre Expertise kaum Gehör. Stattdessen werden sie vom Business mit Umsetzungsaufträgen bombardiert. Sie sollen möglich machen, was das Business sich wünscht.
Das kann ein Geziehe und Gezerre werden – deshalb das Beitragsbild -, ein Machtspiel, bei dem der Stärkere gewinnt.
- Im Marketing werden Werbemittel mit aufgedrucktem Logo bestellt – andere, als es schon gibt, dafür aber nach dem Geschmack einer Assistentin eines Filialleiters.
- Von der IT wird der Einsatz von mobilen Endgeräten erwartet, die zwar nicht anschlussfähig an zentrale Software-Lösungen sind, dafür aber den User-Gewohnheiten eines Geschäftsleitungsmitglieds entsprechen.
- Und das HR soll bis morgen Anstellungsverträge ausstellen für Personen, die ohne Beteiligung der Personalabteilung rekrutiert wurden und denen ein Salär versprochen wurde, das nicht den Gehaltsbändern entspricht.
Manche Wünsche und Ideen sind berechtigt. Die Unterstützungsfunktionen sind dafür da, das Business erfolgreich zu machen und brauchen deren Wissen über Kunden und Märkte, um passende Lösungen zu entwickeln.
Aber es stellt sich doch die Frage, ob gut bezahlte Fachspezialisten sinnvoll eingesetzt sind, wenn sie eine Vielzahl von operativen Themen abarbeiten, die von Nicht-Fachspezialisten angerissen werden. Schlussendlich ist allen mehr damit gedient, wenn eine Kostenstelle wie Marketing nur so viele Ressourcen umfasst, wie nötig sind, um sinnvolle Lösungen kosteneffizient und in angemessener Qualität zu produzieren.
Etablierung eines Business-Partner-Modells
Wie können Business-Partner in Support-Einheiten erfolgreich Mehrwert für das Business stiften? CambiaLINE hat ein Modell entwickelt, das fünf Erfolgsfaktoren für Business Partner umfasst:Wie können Business-Partner in Support-Einheiten erfolgreich Mehrwert für das Business stiften? CambiaLINE hat ein Modell entwickelt, das fünf Erfolgsfaktoren für Business Partner umfasst:
Mandat und Rollenklarheit
- Auftrag und Entscheidungsrechte
- Rollenklarheit bei allen Beteiligten
Governance und Prozessgestaltung
- Definierte Touchpoints und Lieferergebnisse mit dem Business
- Bereitstellung von Standards und Self-Service-Tools
Skills und Kompetenzen
- Business-Orientierung und Beratungsfähigkeit
- Gesprächsführung und Verhandlungsfähigkeit
- Politische Kompetenz und Konfliktmanagement
Stakeholder-Management
- Beziehungsaufbau, Vertrauensbildung und Verbindlichkeit
- Erwartungsmanagement, Hinterfragen von Anforderungen
- Umgang mit unterschiedlichen Hierarchieebenen
Leistungserbringung im Team
- Koordination der Leistungserbringung im eigenen Team
- Interessensvertreter für die dezentralen Business-Einheiten
Es ist Aufgabe der Führung, diese Dimensionen der erfolgreichen Arbeit von Business-Partnern sicherzustellen und bereits diese Abstimmung ist Teil der Etablierung eines Business-Partner-Modells.
Die Etablierung eines Business-Partner-Modells ist ein Change-Projekt. Keines, das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt, aber eines, das mit der nötigen Sorgfalt und Beteiligung der von der Veränderung Betroffenen betrieben werden muss, damit es erfolgreich wird.
Bausteine zur Etablierung eines Business-Partner-Modells
Zu Beginn sind – wie in vielen Change-Projekten – auch bei der Etablierung eines Business-Partner-Modells Interviews mit den von der Veränderung Betroffenen sinnvoll.
Es macht Sinn, in der Support-Einheit den IST-Zustand abzufragen, um zu verstehen, wie die fünf Dimensionen des Business-Partner-Modells ausgeprägt sind. Ebenfalls sinnvoll ist es, mit den Kunden und Kundinnen der Support-Einheit darüber zu sprechen, wie sie aktuell die Support-Einheit in der Zusammenarbeit erleben.
Der ZIEL-Zustand in den fünf Dimensionen des Business-Partner-Modells ist so spezifisch wie die Ausgangssituation und wird in Zielbild-Workshops erarbeitet.
Zu allen Dimensionen des Business-Partner-Modells kann CambiaLINE Umsetzungsvorschläge liefern. Auf dieser Basis und unter Nutzung vorhandener Standards erarbeiten die Business-Partner der Support-Einheit (ggfs. unter Einbezug ausgewählter Kundinnen und Kunden),
- wie z.B. die Touchpoints zwischen Support-Einheit und Business konkret aussehen sollen,
- was Business-Orientierung in einer spezifischen Organisation bedeutet und
- wie die Leistungserbringung im eigenen Team – rund um die verschiedenen Aufträge, die die Business-Partner von ihren Kunden und Kundinnen mitbringen – koordiniert werden soll.
Dieser partizipative Prozess sorgt dafür, dass die gemeinsam erarbeiteten Arbeitsansätze eine reelle Chance auf Umsetzung haben.
Nach einer gewissen Zeit findet dann ein Review-Workshop statt, in dem überprüft wird, ob sich die definierten Standards in der Umsetzung bewähren. Wo nötig, wird nachgeschliffen und so haben die Business-Partner nach einem kompakten Projekt das, was sie für ihre Arbeit brauchen.
Weiterführende Links in diesem Zusammenhang
Bildquelle: www.gograph.com
