IT-Projekte als Change-Treiber. Das ist häufig. «Verändern IT-Projekte das Unternehmen?» lautete die Blitzlicht-Umfrage auf der CambiaLINE-Website. Die Antwort scheint klar. Natürlich. Kann ja gar nicht anders sein. Alle Welt spricht von Digitalisierung. Die Antwortmöglichkeiten waren allesamt Varianten von «Ja». Denn eigentlich ging es in dieser Umfrage mehr um unterschiedliche Sichten auf die IT und das Verhältnis von Business und IT im Unternehmen.

IT-Projekte als Change-Treiber

Über ein Drittel der Umfrageteilnehmenden klickten an, dass IT-Projekte ganz klar das Unternehmen verändern, weil sie immer mit Prozessen und Strukturen zu tun haben. Systemunterstützte Abläufe sind in vielen Geschäftsmodellen Standard. Und natürlich ist klar, dass Prozesse durch gute Systemunterstützung besser und effizienter laufen. Die Frage ist dann, wie mutig das Prozessredesign angegangen wird.

Welche Prozessoptimierungen realisiert werden, hängt wesentlich davon ab, wie ein IT-Projekt geführt wird. Die Veränderungskraft von IT-Projekten entsteht aus der Interaktion der IT mit den Usern. Erfahrene IT-Projektleiter wissen das und planen bewusst Change-Management-Massnahmen z.B. auf der Ebene der bereichsübergreifenden Zusammenarbeit in den Projektverlauf ein. Im Ergebnis kann eine IT-Lösung dann viel Wucht entfalten, Prozesse und Strukturen ernsthaft verbessern und so einen echten Wertbeitrag zum Unternehmenserfolg liefern.

Unsexy, aber eben auch wahr

IT-Projekte als Change-Treiber? Nein – genau anders herum: «Das Unternehmen verändert die IT und nicht umgekehrt.» hat als Antwort immerhin ein Zehntel der Klicks erhalten. Und natürlich ist es auch ganz genau so, machen wir uns nichts vor. In die IT wird dann investiert, wenn das Unternehmen es kann und will. Wie weit die Änderung der IT geht und wie sehr ein IT-Projekt Veränderungskraft freisetzen darf, sind letztlich ebenfalls unternehmerische Entscheide.

Und schon sind wir bei der Frage, wie die IT als Funktion im Unternehmen positioniert ist. Ist sie Wunscherfüller und Dienstleister? Oder ist die IT für das Business Enabler und strategischer Partner auf Augenhöhe? Wird der IT-Chef oder der IT-Projektleiter von seinen Peers als Mensch aus dem Maschinenraum gesehen? Oder als Know-how-Träger, der ihnen hilft, effizient und innovativ zu sein. Ein Unternehmen hat immer die IT, die es verdient. Wenn erwartet wird, dass die IT über jedes Stöckchen springt, das ihr hingehalten wird, dann wird das Business hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben.

Stichwort Digitalisierung

Ein Viertel der Umfrageteilnehmenden klickte an, dass IT-Projekte Unternehmen immer mehr verändern, weil wir ja längst im Zeitalter der Digitalisierung sind. Interessant ist, wo Unternehmen Digitalisierung ansiedeln – konzeptionell und organisatorisch. Wird Digitalisierung als Aufgabe der IT gesehen? Wenn die IT das Unternehmen digitalisieren soll, dann gelingt z.B. die Automatisierung von Prozessen. Oder ist es eine Stabsstelle oder – noch besser – eine Position auf Ebene der Geschäftsführung? Dann kann Digitalisierung alles umkrempeln: das Geschäftsmodell, die Kernprozesse, die Interaktion mit den Kunden, den Modus der internen Zusammenarbeit, die Innovationskraft und Agilität des Unternehmens. Dahinter steckt dann nicht die Frage, ob IT-Projekte das Unternehmen verändern. Hier geht es um Unternehmensstrategie im Zeitalter der Digitalisierung.

Ein klares «Jein»!

IT-Projekte entfalten ihre Veränderungskraft nur, wenn Business- und IT-Sicht gut zusammengeführt werden. Ein Viertel der Umfrageteilnehmenden sehen hier den wesentlichen Erfolgsfaktor. «Jein» ist natürlich eine etwas gemeine und gleichzeitig wahnsinnig attraktive Antwortoption. Vor allem so nah an der Realität. Deshalb vermutlich auch Platz 3 der Umfrageergebnisse.

Wenn ich an einige meiner Projekte aus den letzten Jahren danke, dann ging es dabei um die Begleitung von IT-Projekten mit dem Potenzial, wirklich Grundsätzliches zu verändern. Deshalb waren es auch schwierige IT-Vorhaben. Deshalb haben die IT-Projektleiter auch eine Beraterin wie mich angeheuert.

Es ist schon krass, wie hoch die Budgets für IT-Vorhaben sind und wie tolerant Unternehmen sind, wenn diese Vorhaben noch teurer werden als geplant und deutlich hinter den gesteckten Zielen und Terminen zurückbleiben. Die wirkliche Hürde ist oft das «Jein» der Entscheider, eine nur lauwarme Umsetzungsdisziplin, fehlende Entschlusskraft und fehlender Mut im Konfliktmanagement. Business- und IT-Sicht zusammenzuführen hat viel mit Empfindlichkeiten, Machtspielen und Interessenskonflikten zu tun. Genau das zu adressieren, erfordert Klarheit und Alignment im Management und eben auch im Change-Management.

IT-Projekte als Zulieferer für das Business

Unter 10% der Umfrageteilnehmenden waren der Meinung, dass IT-Projekte schlussendlich dazu da sind, Technologie bereitzustellen. Eine berechtigte Erwartung. Vielleicht im Kern auch eine erfrischend nüchterne Sicht. Rund um das Thema Digitalisierung gibt es viel Wirbel und Trubel. Organisationseinheiten werden aufgebaut, Leute eingestellt, unternehmenseigene Think-Tanks und Innovation-Labs etabliert. Seit einiger Zeit findet man im Netz zunehmend Beiträge, die das Konzept «Disruption» zur Seite schieben. Nachdem Unternehmen verstanden haben, dass Digitalisierung Geschäftsmodelle grundsätzlich verändern wird, geht es in der aktuellen Phase anscheinend weniger darum, sich neu zu erfinden. Wer vorhandene Technologien schnell und smart für eine Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells nutzt, hat schon viel gewonnen.

Danke für eure Meinung

Diese Umfrage habe ich als Link an einen Verteiler von Menschen geschickt, die sich richtig gut auskennen im Thema, weil sie in der IT arbeiten, selbst Programme und Projekte führen und technologische Trends einschätzen können. Herzlichen Dank für die vielen Klicks!

Die Umfrageergebnisse

33% sehen die Veränderungskraft von IT-Projekten darin begründet, dass sie Prozesse und Strukturen berühren. 24% sehen ihr Unternehmen ohnehin im Wandel durch Digitalisierung. 23% heben das Zusammenspiel von Business und IT hervor. Zusammen 21% sehen die IT als Dienstleister: 11% betonen, dass das Unternehmen die IT verändert und 9% erwarten aus der IT die Bereitstellung von Lösungen.

Weiterführende Links in diesem Zusammenhang

IT-Projekte als Change-Treiber

Bildquelle: www.gograph.com