Im November lautete die Blitzumfrage auf unserer Homepage: «Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit in Ihrem Unternehmen?». Die Antworten waren desillusionierend. Ist Zusammenarbeit eine Illusion? Wie lässt sich das begehrte produktive Miteinanders zutage fördern?

Das Bemühen um Zusammenarbeit ist so hoch wie die Kreativität, mit der das Thema gestaltet wird. Ein Drittel der Umfrageteilnehmenden fand die Zusammenarbeit gut geregelt. Drei Viertel kommen eher auf eigene Faust zum Ziel, mal mehr, mal weniger in Zusammenarbeit mit anderen.

Sisyphosaufgabe in der Führung

Viele Unternehmen und Manager fördern mit erheblichem Engagement die Zusammenarbeit in ihren Teams und im Unternehmen. Sie vermitteln ihren Mitarbeitenden, welch hohe Bedeutung die bereichsübergreifende Zusammenarbeit hat, dass die Leistungserbringung gegenüber den Kunden nicht an den Schnittstellen zwischen Abteilungen kranken darf, wie wichtig das Team ist.

Vielleicht waren es überwiegend Führungskräfte, die in unserer Umfrage angeklickt haben, dass abteilungs- und bereichsübergreifend und aufgrund geregelter Prozesse die Zusammenarbeit gut ist. Führungskräfte, die vieles dafür tun und die Hoffnung haben, dass es deshalb auch eintrifft.

Es ist kein stabiles Ergebnis, das sie erzielen. Zusammenarbeit ist eine Daueraufgabe. Es ist der Felsblock, den in der griechischen Mythologie Sisyphos einen Hügel heraufschiebt, der immer wieder herabrollt und den Sisyphos immer wieder auf’s Neue bergauf stemmt.

Selbstorganisation im Team

Mitarbeitende erleben Zusammenarbeit oft nicht als das Ergebnis systematischer Bemühungen. Nicht definierte Prozesse oder Organisationshandbuch regeln die Zusammenarbeit. Es sind die informellen Netze, die funktionieren. Man muss wissen, wen man anruft. Wer schon lange im Unternehmen ist, kennt viele Kolleginnen und Kollegen gut. Eine Hand wäscht die andere. Man ist sich gefällig.

Auch unsere Blitzumfrage bestätigt darüber hinaus, was viele Mitarbeiterzufrieden­heitsumfragen zeigen: Im eigenen Team sind Mitarbeitende mit der Zusammenarbeit zufriedener als wenn sie sich abteilungsübergreifend die Bälle zuwerfen sollen. Aus Studien und umfassenden Umfragen wissen wir: Das liegt nicht daran, dass im eigenen Team alles gut eingespielt ist. Die Zufriedenheit entsteht, weil Mitarbeitende mit sich selbst weniger kritisch sind als mit den KollegInnen. Wir sind ok, die anderen sind nicht ok. Weil das häufig viele Teams im Unternehmen denken, ist die nicht besonders geschmeidige Zusammenarbeit oft etwas sehr Stabiles.

Trugschluss und Zielbild

Nicht immer muss es Teamwork sein. Ein Teil der Umfrageteilnehmenden ist der Meinung, dass es auf die Einzelleistung des Individuums viel mehr ankommt als auf die Teamleistung.

Schon in den 1990er Jahren haben John R. Katzenbach und Douglas K. Smith mit ihrer Teamperformance-Kurve den hohen Anspruch von leistungsstarken Teams beschrieben. Sie definieren Teams als kleine Gruppen von Individuen mit komplementären Fähigkeiten, die sich gemeinsam für Zielerreichung engagieren, gemeinsam Verantwortung übernehmen und Risiken tragen.

Muss jedes Team in vollständig integriertes Hochleistungsteam sein? Nein! Die Realität ist, dass in vielen Teams Spezialisten derselben Führungskraft zugeordnet sind und daran gemessen werden, in ihrem jeweiligen Aufgabengebiet individuell gesetzte Ziele zu erreichen.

Teamperformance Katzenbachkurve

Insofern sind viele Teams bestens damit bedient, eben einfach ein Team zu sein und sein zu wollen. Ja, es ist wichtig, mehr als eine Gruppe lose verbundener Einzelpersonen zu sein. Nein, es ist nicht immer notwendig, ein Verbund vollständig voneinander abhängiger und aufeinander bezogener Teammitglieder zu sein.

Was in der «Katzenbachkurve» für Teams gilt, ist von der Idee her auch auf Organisationen übertragbar. Jedes Team hat seine Aufgabe, und die Leistung aller Teams zusammen muss auf den Unternehmenszweck einzahlen. Leistungskraft innerhalb der Team- und Abteilungsgrenzen ist der Kern von Performance. Ohne den Willen zur bereichsübergreifenden Zusammenarbeit bleibt jedoch auch das einzelne Team wirkungslos.

Streben nach Zusammenarbeit

Es steht viel Frustrationspotenziel im Thema Zusammenarbeit. Für Führungskräfte und für Mitarbeitende. Daran glauben und daran scheitern – das passiert manchmal in rascher Abfolge. Und doch gibt es keine Alternative dazu, immer wieder Energie und Zeit in das Thema zu investieren. Wenn’s läuft, ist alles andere kein Problem. Strategieumsetzung, Performance, Zielerreichung, Kundenzufriedenheit.

Und deshalb ist das Ergebnis dieser Blitzumfrage schockierend und ermutigend zugleich. Alle probieren’s, Führungskräfte und Mitarbeitende auf ihre Weise, mal systematisch, mal informell. Und wirklich oft funktioniert dann irgendwie doch, was allen so schwerfällt.

Die Umfrageergebnisse

17% erleben die abteilungs- und bereichsübergreifende Zusammenarbeit als gut. Weitere 17% führen gute Zusammenarbeit auf geregelte Prozesse zurück. 23% arbeiten im eigenen Team gut zusammen, mit anderen Teams weniger gut. Bei 28% basiert die Zusammenarbeit auf informeller Vernetzung. 15% finden, dass es mehr auf Einzelleistung als auf Teamwork ankommt.

Weiterführende Links in diesem Zusammenhang

Bildquelle: www.gograph.com

Cambialine Umfrage Zusammenarbeit