«Welche Fähigkeiten eines Organisationsberaters sind nicht durch KI ersetzbar?», habe ich zunächst Claude und dann ChatGPT gefragt. Und weil ich weiss, was meine Kunden nicht durch eine KI-Abfrage erhalten und was mich als Beraterin immer noch unersetzbar macht, habe ich ein paar Stichworte dazugegeben.
Denke z.B. an «Beurteilungsfähigkeit, Echtzeitbetrachtung von Geschehnissen und Entwicklungen in einer Organisation, Prozesssteuerung in Transformationsprojekten, Erkennen von tieferliegenden und in der Unternehmenskultur verankerten Gründen für Widerstände und dysfunktionales Verhalten.»
Nicht ersetzbare Fähigkeiten von Organisationsberatern in Zeiten von KI
Claude und ChatGPT sind sich einig, dass der menschliche Blick auf das organisationale Geschehen und das davon abgeleitete Handeln die nicht ersetzbare Fähigkeiten von Organisationsberatern in Zeiten von KI sind.
Aus der Fülle der Inhalte und der teils redundanten Bedeutung unterschiedlicher Begriffe, die die KI mir geliefert hat, fasse ich mit eigenen Worten folgendes Skill-Profil souveräner Organisationsberater zusammen:
- Echtzeitwahrnehmung und Beurteilungsfähigkeit von Entwicklungen in sozialen Systemen
- Flexible Prozesssteuerung und situatives Handeln in Transformationsprojekten
- Erkennen systemischer Ursachen für Widerstände in der Strategieumsetzung
- Politisches Gespür, sicheres Erkennen informeller Strukturen und Machtnavigation
- Integrität, Authentizität, Werteorientierung und Vertrauenswürdigkeit
- Intuitive Synthese von intellektueller Erkenntnis, emotionaler Intelligenz, Erfahrung und Reflexion
- Kreative Reflexions- und Beteiligungsangebote und Spiegeln organisationaler Realitäten
Einsatz von KI im Change-Management
Zurzeit läuft mein Kurs «Business Transformation» an der ZHAW, wo ich im lebendigen Austausch mit einer neugierigen Gruppe von Weiterbildungsstudierenden bin, die lernen wollen, wie sie noch besser an Veränderungsinitiativen können.
Ich vermittle in diesem Kurs bewährte Tools und Methoden zur Diagnose von Veränderungsbedarfen und zur Gestaltung von Change-Architekturen. Meinen Input unterbreche ich immer wieder mit Übungen zur Anwendung der vermittelten Inhalte.
In den letzten zwei Jahren arbeiten die Teilnehmenden in den Übungen während der Unterrichtstage und in den Abschlussarbeiten verstärkt mit KI. Das finde ich zeitgemäss und sinnvoll.
Insbesondere die Gestaltung von Formaten und Instrumenten unter Nutzung bestimmter Methoden ist mit KI einfach. Man bekommt sehr schnell einen Vorschlag für Struktur und Inhalte eines Workshops. Auch fachlicher Input zu egal welchem Geschäftsmodell kommt wie aus der Pistole geschossen und inhaltlich so breit und tief, wie man durch Nachfragen anregt.
Auch ich bin schneller, wenn ich mir gezielt zu einzelnen Aspekten, vielleicht auch zum Ansatz und zur Roadmap eines Change-Projektes Anregungen durch KI hole. Aber Vorsicht an der Bahnsteigkante…
Selbst denken, entscheiden und umsetzen können
Die nicht ersetzbaren Fähigkeiten von Organisationsberatern in Zeiten von KI handeln alle von persönlicher Souveränität in der Anwendung von Methoden und im Umgang mit Menschen, wozu vor allem die Fähigkeit gehört, vom Plan abzuweichen und einen neuen Kurs einzuschlagen, wenn aktuelle Ereignisse es erfordern. Das ist oft in Workshops erforderlich und immer im Verlauf von Veränderungsinitiativen.
Denn nichts ist in Change-Projekte so sicher, wie die Notwendigkeit zur permanenten Überprüfung und Anpassung des gewählten Vorgehens.
Relevante Informationen selektieren, beschreiben, erklären und bewerten – so erklärt die Systemtheorie Kommunikation und Wirklichkeitskonstruktion in Organisationen. Und genau so funktioniert die Perspektive des Organisationsberaters bzw. der Organisationsberaterin. Er bzw. sie beobachtet das System, statt daran teilzunehmen und kann deshalb Interventionen entwickeln, um neue Muster des Handelns in der Organisation zu etablieren.
Change-Projekte decken fast immer interne Konflikte und Widerstände auf, die gelöst werden müssen, damit das Neue entstehen kann. Die Fähigkeit, Echtzeiterkenntnisse mehr oder weniger unmittelbar umzusetzen, erfordert Treffsicherheit, um nicht riskant zu sein. Diese Treffsicherheit entsteht mit der Methodensicherheit und Erfahrung, im entscheidenden Moment das Relevante zu sehen und für das Projekt handlungsrelevante Schlussfolgerungen zu ziehen.
Fazit zu den Fähigkeiten von Organisationsberatern in Zeiten von KI
KI kann eine wertvolle Assistenzrolle übernehmen, kann Daten analysieren, Szenarien planen, konkrete Change-Instrumente entwerfen, Impulse zur Roadmap-Planung geben. Doch die situative und individuelle Urteilskraft, soziale Intelligenz, Flexibilität, intuitive Lösungsfindung, Werteorientierung, Kreativität und spontane Handlungsfähigkeit, die echte Organisationsentwicklung ausmachen, bleiben genuin menschlich.
Als Organisationsberaterin bin ich froh, dass ich durch meine langjährige Erfahrung in unterschiedlichen Projekten diese Fähigkeiten ausgeprägt habe und insofern nicht so schnell durch KI ersetzbar bin.
Als Dozentin an der ZHAW möchte ich meine Kursteilnehmenden dazu ermutigen und darin bestärken, diese Fähigkeiten zu entwickeln, dafür im Dialog mit KI zu sein, durch kluge Fragen bei der Generierung von Inhalten im Lead zu bleiben und so als kluge Köpfe einzigartig zu sein und Mehrwert in ihren Organisationen zu schaffen.
Weiterführende Links in diesem Zusammenhang
Bildquelle: ChatGPT